Auswanderung

Besonders im 19. Jahrhundert zog es viele Deutsche in die Ferne. Die Meisten wanderten nach den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Dabei hinterließen sie auf ihren Wegen zahlreiche Spuren. Viele dieser Spuren sind schon im Internet.

Auswandererbriefe

Von meinen acht Urgroßeltern haben nahe oder ferne Verwandte sich diesem Auswanderungsstrom angeschlossen und fern von Deutschland eine neue Heimat gefunden. Hierbei waren es vor allem ökonomische Gründe, die sie veranlassten, zu emigrieren. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Auswanderungsschicksale von Verwandten meiner Vorfahren vorstellen. Besonders spannend wurde die eigene Familienforschung, als ich nach jahrelanger Suche plötzlich auf entfernte "Cousins" stieß, die ebenfalls schon seit vielen Jahren Ahnenforschung mit dem Ziel betrieben hatten, die Heimat ihrer Vorfahren in "Old Gemany" kennen zu lernen. Daraus haben sich einige Freundschaften entwickelt.  

 

1. Familie Gussenhoven auf der ganzen Welt vertreten

Im Jahre 1780 hatten die Gebrüder JOHANN JUSSENHOVEN und THEODOR GUSTENHOVEN die Gemeinde Dormagen am Niederrhein verlassen und waren als sogenannte Hollandgänger in die Niederlande gezogen, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Dabei wurde Johann Jussenhoven Mitarbeiter der niederländischen Ostindien-Kompanie und zog in das heutige Indonesien, was damals niederländische Kolonie war. Die Nachfahren der Gebrüder Gussenhoven leben heute in unzähligen Staaten auf vier Kontinenten. 

 

Quelle: Mux, Bernhard, Weit verzweigte Sippe zwischen dem Rheinfelder Hof und Indonesien, in: Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 07. Januar 1999   

 

2. Familie Hering aus Werl wandert nach Chile aus 

Der 28 jährige Blechschmied ANTON HERING aus Werl in Westfalen verließ Hamburg an Bord des Seglers "Helene" unter Kapitän W. Walleram am 11. Oktober 1862 und erreichte am 21. Januar 1863 Corral in Süd-Chile. Mit ihm wanderten seine 20 Jahre alte Frau Lisette geborene Haeger und der sechs Monate alte Sohn Heinrich aus. In Corral verdiente sich Anton Hering seinen Lebensunterhalt zunächst als Landwirt. 1891 war er Bierbrauereibesitzer in Santa Clara und unterhielt in Calle Maipu ein Bier-Depot. Der Sohn Heinrich Hering Heger studierte im Priesterseminar in Concepcion und war später katholischer Pfarrer in Penco. Heinrich Hering Heger hatte mindestens sechs jüngere Geschwister, von denen der Bruder Anton als Fabrikant und Kaufmann die Bierbrauerei seines Vaters fortführte. Seine Schwester Clara verstarb 1970 in Santiago de Chile.

 

Der 43 jährige Landwirt EBERHARD HERING aus Werl in Westfalen verließ Hamburg an Bord des Seglers "August" unter Kapitän J. Rolfs am 31. Oktober 1863 und erreichte am 06. März 1864 Puerto Montt in Chile. Mit ihm wanderte auch seine Familie aus: Seine 38 Jahre alte Frau Elisabeth geborene Supe und die Kinder Maria, 13 Jahre alt, Franziska 11, Lisette 6 und Eberhard ein Jahr alt. Eberhard Hering gründete eine Landwirtschaft in Linea Nueva. Der jüngste Sohn Heinrich war 1891 in Puerto Montt als Sattler tätig. 


3. Arnold und Joseph Pohl wandelten auf den Spuren ihres Großvaters Henry Knoop

1991 besuchten ARNOLD und JOSEPH POHL die Heimat ihrer Vorfahren, das Dörfchen Parsit in der Gemeinde Ense im Kreis Soest. Ihre Mutter Therese war eine Tochter von Heinrich Knopp. Dieser - also ihr Großvater - war 1853 in Parsit als Sohn der Eheleute Caspar Knoop und Anna Elisabeth geborene Sörries auf dem Hof Knoop geboren worden. Im Alter von 32 Jahren wanderte er im Jahre 1885 in die USA aus. Dabei erwiesen sich die Vorbereitungen als ziemlich schwierig. HEINRICH KNOOP war seit drei Jahren bei der preußischen Armee und erhielt nur durch die Hilfe eines befreundeten Rechtsanwaltes einen Reisepass. Von der Landwirtschaft begeistert, kaufte Heinrich Knoop kurze Zeit später in Westphalia im Staate Michigan eine Farm. 1887 heiratete er JOSEPHINE SCHNEIDER aus Attendorn. Heinrich oder Henry Knoop und Josephine geborene Schneider hatten sich über ihre Brüder kennengelernt. Der katholische Priester Ferdinand Knoop - der Bruder von Henry Knoop, war damals Assistents-Priester des katholischen Priesters John Schneider - der Bruder von Josephine geborene Schneider - zunächst in Westphalia, Iowa und anschließend in Westphalia, Michigan. Henry und Josephine Knoop hatte insgesamt zehn Kinder, darunter auch die Mutter von Arnold und Joseph Pohl, Therese Pohl geborene Knopp. 

Übrigens, Verständigungsschwierigkeiten gab es bei ihrem Besuch in Parsit keine, da Arnold und Joseph Pohl schon als Kleinkinder zweisprachig aufwuchsen.     

 

4. Große Teile der Familie Kükelheim wanderten nach Amerika aus

Ein nicht beachtlicher Teil der Familie Kükelheim/Berghoff aus dem Bereich der Stadt Büren wanderte im 19. Jahrhundert nach Amerika aus. Unter anderem verließ eine Cousine mit ihrer Familie und ein Cousin auch mit seiner Familie von Meinolf Kückelheim - dem Großvater meiner Großmutter - zwischen 1882 und 1885 ihre Heimat Westfalen. Bereits ein Jahrzehnt früher war eine Schwester von Meinolf Kückelheim in den Wilden Westen aufgebrochen. Ihr folgte der größte Teil ihrer Kinder. Sie fanden im Bundesstaat South Dakota eine neue Heimat. Gleich mehrere Cousinen meines Urgroßvaters Karl Kückelheim von verschiedenen Geschwistern seines Vaters waren zwischen 1875 und 1895 unter anderem in den Bundesstaat Iowa emigriert. Dort gründeten einige Familienmitglieder Farmen. Andere übten verschiedene Berufe in der Agrarwirtschaft - besonders in der 

Milchwirtschaft - aus. 

Auch einige Familienangehörige der Familie Berghoff aus dem Bereich der Stadt Büren wanderten in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.    


5. Als Schiffsheizer nach den USA

FRITZ KUCKELHEIM (Geburtsname Kückelheim) aus Rüthen - ein Vetter meiner Großmutter - war eigentlich Steinmetz von Beruf. Doch dann brach der Erste Weltkrieg aus. Um nicht Soldat zu werden floh er in die Vereinigten Staaten von Amerika und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch bis er am 24. April 1915 auf dem Passagierdampfer Morro Castle I als "Trimmer" (Schiffsheizer) anheuerte.  Als Schiffsheizer musste er acht Stunden lang die riesigen Dampfkessel so versorgen, dass sie die Dampfturbinen des Schiffes antrieben. Hauptaufgabe war das Einwerfen der Kohle in den Ofen, aber auch das Entfernen der heißen Asche und die Kontrolle des Kesselwassers. Nach über einem Jahr auf der SS Morro Castle heuerte Fritz Kuckelheim am 31. Oktober 1916 auf dem Linienschiff SS Saratoga in New York an. Doch sollten mit diesem Schiff bald keine Passagiere mehr fahren. Denn am 1. Februar 1917 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika Deutschland den Krieg. Nun wurde aus der SS Saratoga ein Truppentransporter der US Army. Während also auf den Decks sich amerikanische Soldaten tummelten, schaufelte der kaiserliche deutsche Staatsbürger Fritz Kuckelheim die Kohle in den Ofen. Noch im April 1917 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und hatte nun seinen Wohnsitz im Bundesstaat Ohio. Am 15 Oktober 1919 nahm Fritz Kuckelheim seinen Dienst als Heizer auf dem ehemaligen Passagierschiff Mount Vernon auf. Ihr ursprünglicher Name war Kronprinzessin Cecilie. Das deutsche Dampfschiff des Norddeutschen Lloyd war von amerikanischen Behörden beschlagnahmt worden und diente nun als Truppentransporter. Am 1. Dezember 1919 heuerte Fritz Kuckelheim aber schon in San Francisco in Kalifornien wieder ab und war nun als Steinmetz besonders beim Brückenbau in den Vereinigten Staaten von Amerika tätig. Er vermählte sich mit einer ungarischen Einwanderin und gründete eine Familie. Einer seiner Söhne besuchte die Stadt Rüthen im Jahre 1945 als amerikanischer Soldat.  

 

6. Sie saßen alle im gleichen Boot. Muxen I und Muxen II

Fast auf den Tag genau 100 Jahre später, nachdem Christ Muxen eine Familienaufstellung am 9. April 1898 verfasst hatte, kamen Duane Muxen und ich ins Gespräch. Gefunden hatten Duane Muxen und seine Frau diese Unterlagen in einer alten Bibel ihres Urgroßvaters Matthias Muxen. Er war noch 1832 in Deutschland geboren worden und mit seiner Frau 1857 in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Insgesamt zwölf Kinder hatten Matthias und Anna Catharina Muxen geborene Ippen bekommen. Die älteren Kinder waren im Bundesstaat Illinois geboren, die jüngeren auf der erworbenen Farm in Iowa. Dieses landwirtschaftliche Anwesen übernahm der Großvater von Duane Muxen, Frank Muxen, der drittgeborene Sohn. Er verstarb in Frankfort, South Dakota im Jahre 1934. Inzwischen hatte schon der Vater von Duane Muxen, Matthew Muxen, den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen. Und schließlich folgte nach dessen Tode im Jahre 1957 Duane Muxen. In seiner Freizeit hatte er sich schon ein wenig mit der Ahnenforschung auseinandergesetzt. Aber das sämtliche Muxen in den Vereinigten Staaten verwandt sein sollten, das war Ihm neu. 

Familie Dreesen-Muxen

Tatsächlich sassen in der Belgique, die am 20. Juni 1857 von Antwerpen aus New York erreichte, nicht nur die Urgroßeltern von Duane Muxen -  Matthias Joseph Muxen und Anna Catharina geborene Ippen - sondern auch die Geschwister Agnes Dreesen geborene Muxen und Andreas Muxen. Bei diesem Geschwisterpaar handelte es sich um eine Cousine und einen Cousin von Matthias Joseph Muxen. Vermutlich ging man schon in New York verschiedene Wege. Während Mathias Joseph Muxen und Anna Catharina geborene Ippen zunächst nach Illinois zogen, siedelten Agnes und ihr Mann Theodor Dreesen vorerst in die Nähe von Springfield Corners, Wisconsin, gut 14 Meilen westlich von Madison. 1870 schlossen sich Theodor und Agnes Dreesen mit Agnes Bruder, Andreas - jetzt Andrew - Muxen einem Treck nach Nebraska an. Dort angekommen erlebten sie in den folgenden Jahren die schlimmsten Grashüpferplagen die mehrmals ihre gesamte Ernte vernichteten. Außerdem wütete 1873 in Nebraska ein sehr heftiger Schneesturm. Es folgten in den folgenden Jahren weitere Schneestürme, extreme Trockenheit und Präriefeuer. Das waren zwar sehr empfindliche Dämpfer für die Einwanderer, aber entmutigen ließ man sich dadurch nicht. 

Heute leben die Nachfahren beider Muxen-Familien fast in sämtlichen Staaten der USA.